„Der Geschmacksverstärker“ – die Genusskolumne von Bernhard Moser

Wir baden in Wasser, wir spülen uns den Mund damit, wir trinken es. Keinem Menschen muss man ernsthaft die Bedeutung des Wassers erklären, schließlich bestehen wir zu 80% selbst daraus.

Gastronomisch entwickelt sich das Thema Mineralwasser immer weiter. Waren Gäste vor wenigen Jahren noch damit zufrieden, wenn sie ein prickelndes Wasser auch dem Druckcontainer bekamen, wenn sie ein Wasser bestellten, so gibt es heute Restaurants, die ganze Wasserkarten im Angebot haben. Mittlerweile gibt es sogar Luxuswasser wie das mit Swarovski-Steinen besetzte „Bling“, das für satte 60,00 EUR für 0,75 l zu haben ist.
Auch die Berliner Marke „Spreequell“ etabliert im Moment ein Premium Wasser unter der Bezeichnung Q. Michael Michalsky designte die Flasche und ich war als Sommelier der Weinschule beratend tätig, als es um die inneren Werte wie zum Beispiel Kohlensäureeintrag ging.

Grundsätzlich gilt: Mineralwasser ist eines der am stärksten kontrollierten Lebensmittel. Vom Diskounterwasser bis hin zum Edelprodukt, jedes Mineralwasser muss allerhöchsten Ansprüchen genügen. Allerdings gibt es enorme Unterschiede im Geschmack: Wasser aus gebirgigen Regionen sind hoch mineralisiert, während Wasser aus Brandenburg sehr weich schmeckt und grad deshalb mit wenig Kohlensäure gut zu Wein passt. Regionalität ist bei Wasser ohnehin ein wichtiges Thema. Die Erfolge von l’eau Sans Souci und der Rheinsberger Preussenquelle sind begrüßenswert.

Nichtsdestotrotz haben auch andere Mütter schöne Töchter und andere Regionen hervorragendes Mineralwasser. So wirkt der extrem hohe Anteil von Hydrogencarbonat im Staatlich Fachingen oder im Badoit beispielsweise säureausgleichend im Körper. Neigen Sie also nach dem Weintrinken zum Übersäuern, kann dieses Wasser Wunder wirken.
Hingegen können Sie auf einen hohen Natriumanteil verzichten. Durch unsere sehr salzreiche Ernährung sind wir ausreichend damit versorgt. Vor  allem Säuglingen sollte kein Natrium über Mineralwasser zugeführt werden. Das kann zu Schädigungen der Nieren führen.

Im borchardt wird das hervorragende Badoit serviert. Es kommt aus dem Zentralmassiv bei St. Galmier an der Loire. Schon 1778 entdeckte der Leibarzt Königs Louis XVI. die verdauungsfördernde Wirkung. Es kommt bereits mit natürlicher Kohlensäure angereichert aus dem Boden, der Gehalt wird jedoch vor dem Abfüllen noch leicht gehoben. Trotz des hohen Anteils an Hydrogencarbonat schmeckt es nicht basisch. Wer es lieber still mag, bekommt im borchardt Evian aus dem Haut-Savoie, direkt an der Schweizer Grenze.

„Wer Wasser trinkt, muss auch an die Quelle denken.“ Ein wunderbares afrikanischen Sprichwort und selten zuvor wahrer als jetzt.


Bernhard Moser ist Koch und Diplom-Sommelier, Autor des Buches „Reine Geschmackssachen – weil Genuss auch Kenntnis braucht“. Bekannt wurde er vor allem durch seine Kolumne bei Radio Eins, bei der  er fast drei Jahre lang Woche für Woche wertvolle Tipps zum Thema Genuss gab. Er arbeitet als freier Journalist und als Chefsommelier der Weinschule-Berlin. Für den borchardt Blog schreibt er eine Wein- und Produktkolumne mit dem Titel „Geschmacksverstärker“.

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