Sag zum Abschied leise Adieu

Scheiden tut weh oder Romeo is leaving

Wer zu Abi- oder Studizeiten selber mal gekellnert hat, weiß, dass der Job Spaß macht, aber verdammt tough sein kann. Das kriegt der eine mit der nötigen Professionalität und der richtigen Einstellung gut hin – und der andere nicht. Romeo Vaubourg, seit 18 Jahren einer der verdientesten Kellner im borchardt und längst aufgestiegen zum Restaurantleiter, passt zweifelsohne in die erste Kategorie. Als Kellner im Herzen gehört der Mann ohnehin einer besonderen Gattung Mensch an, denn Kellner tragen ihre Persönlichkeit vor sich her wie ein volles Tablett mit Gläsern. What you see is what you get! In Romeos Fall ist das nicht der krawallige „Don’t mess with me!“-Typ. Seine Waffe ist sein französischer Charme, den wir vermissen werden, denn Romeo verlässt uns.


Ne me quitte pas… oder doch?!

Was war passiert? Sagen wir es so: nach 18 Jahren ist ein Mensch erwachsen und jedwede Beziehung ebenso! Wer sich mag, muss Freiräume gewähren und loslassen können. Romeo ist nicht etwa durchgebrannt zu einem anderen Restaurant (bis Mitte August bleibt er uns auch noch erhalten), sondern ist nach der physischen Plackerei, die sein Job mit sich gebracht hat, neugierig, andere Pfade zu erkunden und mehr noch, die ganze Welt. Sein Plan ist es, zwölf Monate abzutauchen – und das ist nicht nur sprichwörtlich gemeint. Romeo interessieren die Tauchreviere vor den Küsten Thailands, Malaysias, Kambodscha, Laos’ (please say hello to Mekong River!), Bangladesh, Indonesien und den Philippinen. Und weil das alles noch nicht weit genug weg ist, will er auch noch die französischen Kolonien, den Jemen, Jordanien und Israel dranhängen. Nicht tauchend, natürlich.

borchardt als Fluch oder Segen – haben wir was falsch gemacht?

Berlin sollte eigentlich nur ein Sprachstopp werden – wegen der vielen deutschen Gäste an der Côte d’Azur, wo der junge Romeo, der auf einem Bauernhof in der Ardèche aufwuchs, seine Ausbildung machte. Von Nizza führte der Weg über Hamburg nach Berlin, mit einem kurzen Gastspiel im Café Einstein geradewegs ins borchardt. „Früher war Berlin ein Rausch, ein Leben zwischen Ost und West. Jeder Tag war anders“, sagt Romeo. „Das borchardt war für mich wie eine große Familie“. Man schlug und küsste sich. Seine Lieblings-Schicht? „Die Wochenenden, da kommen die Gäste privat zu uns mit ihren Kindern.“ Romeo mag die Eltern und die Kinder. Beides hat er selber nicht. Was er macht, wenn er wieder auftaucht? „Meditieren, in ein Kloster gehen und zu mir kommen“. Den Job, sagt er, kriegt er erst mal nicht aus dem Kopf. „Das wird Wochen dauern oder Monate“. Und wenn die Sehnsucht brennt? „Dann komme ich zurück nach Berlin“, sagt Romeo. Sein Plätzchen im Restaurant halten wir ihm warm.

Versprochen!

Romeo Vaubourg

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