Aus der Weihnachtsbäckerei



Daryas himmlischer Stollen (mit Liebe gebacken)

Unsere Weihnachtsbäckerei kommt vielleicht ohne Elfen aus, aber nicht ohne unsere Bäckerin Darya und ihr Team. Nach einem “schönen alten Rezept”, wie Darya sagt, “haben die Jungs nachts die Stollen gebacken”, die wir als Weihnachtsgruß für unsere Gäste verschenken. 2.500 Stollen sind so entstanden, in Größen von 150 bis 1.000 Gramm. Und die schmecken? Natürlich himmlisch, weil extrem saftig! Wie das kommt? Hier ist Daryas Antwort:

Der borchardt-Stollen: man nehme…

Wir legen Rosinen, Orangeat, Zitronat und Mandeln rund zwei Wochen in guten Rum ein (nur beste Qualität, keinen Verschnitt!). In zwei Kesseln werden Butter mit Marzipan und Gewürzen angeschlagen, Mehl hinzugefügt und die Früchte per Hand untergehoben. Wir arbeiten ohne Stollenformen und tauchen die fertigen, noch ofenwarmen Kuchen in geklärte Butter. Das verschließt die Poren und macht den Stollen lange haltbar und schön saftig. Ein bisschen Zucker obendrauf & fertig ist der borchardt-Stollen.

Bis die Tage!

Ein anderer Blickwinkel

Berlin aus einer anderen Perspektive zu sehen ist immer spannend. Im Sommer war die britische Journalistin Sharon Feinstein in unserer Stadt mit Stop Over im borchardt. Ihr Text „Berlin’s layers are thrilling, excruciating but always expansive“, zu deutsch: „Berlins Schichten sind spannend, schmerzhaft, aber immer weitreichend“. Ihr Text ist jetzt in den Jewish News erschienen unter:

http://www.jewishnews.co.uk/berlin-evoking-fascination-tears-creative-vitality-spectre-death/

Ganz wild auf Hirsch

Unser Wild- und Wein-Highlight zum 1. Advent

Die Qualität von Wild zeigt sich an der Farbe und Textur des Fleisches. Für unsern rosa geschmorten Hirschkalbrücken von der Müritz bedeutet das ein tief dunkelroter Ton und ein Gewicht, dass sich im Garvorgang nicht verändert (ein Zeichen dafür, dass das Fleisch nicht künstlich hochgezüchtet, bzw. manipuliert worden ist). Wir braten den Hirschkalbrücken auf dem Grill kurz von allen Seiten scharf an, legen ihn anschließend auf ein Gemüsebett – einem Navarin von Schwarzwurzeln, Petersilienwurzeln und Topinambur -, herzhaft gewürzt mit Nelken, Wachholder, Sternanis und einem Stich Butter. Alles wunderbare Armonen, die sich mit dem Geschmack des Fleisches perfekt verbinden. Bei geringer Hitze lassen wir ihn im Holdomat 30 Minuten medium rare gar ziehen, dass er innen noch rosa bleibt. Roquefort-Kartoffelgratin ist die ideale Ergänzung zu den zartbitteren, herzhaften Nuancen.

Was zu diesem Gericht passt, ist ein kräftiger, mineralischer, eleganter Rotwein wie der “Pommard en Mareau” 2010er Jahrgang, Domaine Charles Audroin, einem Familienunternehmen aus dem Burgund im Weinbaugebiet an der Côte de Nuit – ein Wein, der zu Recht höchste Wertungen bekommt und uns seit langem begeistert. Gekellert aus Pinot Noir Reben hat dieser taninhaltige Pommard Kirsche, Blaubeere, Cassis, eine volle Frucht, jedoch nicht zu voll, um den Geschmack des Fleischs zu überlegen.

Guten Appetit und Santé!

 

Wintercocktail ‘Der Namenlose’

 Shake it, Baby

Wir haben unsern Barchef Ulf gebeten, etwas Winterliches zu zaubern. Einen Cocktail, der alles drin hat: hot, cold und spicy! Das Ergebnis aus einem Teil Vodka, Kaffeelikör, Deutscher Kräuter und Sahne mit reichlich Eis und einem Hauch Kardamom und Chili geshaked ist richtig köstlich. Aber wie soll er heißen? “Fire & Ice” würde passen, erinnert aber zu sehr an einen deutschen Skibekleidungs-Hersteller. “Island Punsch” (haut das stärkste Ponny um) geht auch nicht wirklich. “Kalter Kaffee”? Zu negativ besetzt. Unser derzeitiger Favorit: “Cooli’on the Rocks”.

Was meinen Sie? Vorschläge für unser liquid Baby bitte auf Facebook posten. Wir sind gespannt!

Bis die Tage

 

 

 

 

Wir borchardt': Kellner & Köche

Für unsern Fragebogen „Kellner & Köche“ haben wir Barmann Ronny gelöchert. Der Feierabendstudent über Poesie, Paella, Rost und fliegende Teller.

Name: Ronny

Postion: Barmann und Student der Kulturwissenschaften

Seit wann im borchardt: 2010

Wurzeln: Altmark, Sachsen-Anhalt

 

Mit wem würdest Du gerne mal privat essen gehen?

Armin Müller-Stahl. Er ist Schauspieler, malt, dichtet und vertont Texte – ich würde ihn zu gerne fragen, wie er es anstellt so vielseitig zu sein.

Wenn Du das borchardt für einen Abend für Dich alleine hättest – was würdest Du machen und wen einladen?

Eine Party mit einfachen Drinks und Paella aus dem Topf mit meinen alten Freunden und Kollegen aus der Zeit, als ich an der Costa Blanca Bar Management gemacht habe. Das ist vier Jahre her. Inzwischen leben sie in den USA, Kanada, Argentinien, Chile und Kuba.

Welchen Fehler verzeihen Dir Deine Kollegen am ehesten?

Zu meiner Rolle gehört es, die Kollegen aus dem Service anzutreiben. Ich könnte mir vorstellen, dass ich oft ein bisschen zu ernst bin.

Welche Gäste sind Dir die liebsten?

Menschen, die meine Leidenschaften teilen wie Politik, Poesie und Getränke.

Was war Dein spektakulärster borchardt-Moment?

In der Gastro-Szene erlebt man absolut alles von der Schlägerei, Frauen “oben ohne” bis zum fliegenden Teller. Aber so was beeindruckt mich nicht wirklich.

Macht Trinkgeld glücklich?

Glücklich macht mich, wenn ein Gast ehrlich zufrieden war mit meinem Service.

Ist es in Deinem Job schwieriger oder einfacher einen Partner zu finden?

Das hängt nicht vom Job ab. Das liegt an einem selber. Ich bin in jedem Fall happy.

Was ist für Dich der perfekte Ausgleich zum Job?

Poesie von Fernando Pessoa, Onetti, Belletristik, auch Sarah Kirsch. Literatur bewirkt bei mir, dass ich mich besser sortieren kann.

Welche Lieblings-Restaurants hast Du außer dem borchardt?

„Frau Mittenmang“ am Prenzlauer Berg. Das ist alternativer und die Küche toll.

Dein Lieblingsdrink?

Gin & Tonic mit Tanqueray und Schweppes, Limette und viel Eis.

Was verrät am meisten über einen Menschen?

Die Augen.

Wie heißt Dein ultimativer Flirtspruch?

Ich bin ziemlich eingerostet. Früher war es nonverbal: in die Augen schauen und lächeln.

Ein Bild für ein Bild

Schnipseljagd

Lange schmückte Georg Karl Pfahlers “Metro Metro II” die Wand im Treppenabgang in die untere Etage. Auffällig blau und Initialbild für das Logo der Deutschen Bank. Seit kurzem hängt dort ein Werk von Marcel Odenbach, einem der bedeutensten, deutschen Video-Künstler. Titel seiner Kollage:  “Schnipseljagd”. Ein Bild mit Berlin- und Politbezug, das das nähere Hinschauen lohnt. Mehr Infos über den beeindruckenden Weg des habilitierten Ex-WG-Kumpels von Udo Kier und Weggefährten von Immendorff und Lüpertz hier:

http://www.khm.de/mk/lehrende/odenbach/

Bis die Tage!

 

Barchef, Restaurantleiter und “Salon”-fähiger Kolumnist

Ulf Klotz’s “Last Order” im neuen Gruner + Jahr Magazin

Vor einigen Wochen kam die Anfrage, ob Ulf Klotz – Restaurantleiter und Barchef im borchardt – Lust hätte, für ein neues Gruner + Jahr-Format als Kolumnist zur Verfügung zu stehen. Das Ergebnis ist heute erschienen im neuen Lifestyle-Magazin “Salon – Das Magazin für Gastlichkeit, Tischkultur und Lebensart”.

www.salon-mag.de

Titel der ersten Salon-Ausgabe ist “Alte Werte, neue Ideen” und das Ergebnis von Anne Petersen und Thomas Niederste-Werbeck schlicht gesagt ein Traum an Food- und Lifestyle-Reportagen, High End Rezepten und (last, not least) Ulfs Bar-Kolumne “Last Order” mit dem Winter-Drink Berlingroni à la borchardt – notiert von Mareike Nieberding, fotografiert von Wolfgang Stahr.

Bis die Tage!

“Wir hatten keine Ahnung, ob man uns in den Westen lässt”

25 Jahre Mauerfall – Matthias‘ Weg von der Prager Botschaft in den Westen

Unsere Belegschaft ist dies- und jenseits der Mauer aufgewachsen. Manche waren an der Mauer, als sie fiel, einige oben drauf. Aber nur einer von uns war im Inneren der Prager Botschaft, einem der zentralen Orte des Geschehens, der den Mauerfall erheblich mit vorantrieb: Matthias Schmidt.

Matthias war 13 Jahre alt, als seine Eltern Mitte der 80er Jahre den Ausreiseantrag stellten. Die Familie – politisch interessierter, als die SED erlaubte, zu viel Verwandtschaft in West, zu wenig Ämter in Ost. Die Stasi wollte den Schüler der polytechnischen Oberschule bei Potsdam anwerben, “aber was hätte ich erzählen können?“, sagt Matthias Schmidt. Als Quittung musste er die Schulbank gegen das Autobahnbau-Kombinat DDR tauschen. Der Antrag auf Ausreise wurde abgelehnt.

Auf der Flucht und Lichtjahre von der Gastroszene entfernt

Nach dem missglückten Versuch, die Donau bei Bratislava schwimmend zu durchqueren, stand im Spätsommer 1989 der Fluchtplan. Zu viert, mit heulender Schwester, flohen die Schmidts Richtung Prag, im Trabi und mit leichtem Gepäck, das nach Urlaubsreise aussah. Statt Camping: Bundeswehrzeltlager auf dem Prager Botschaftsgelände mit der Weltöffentlichkeit als Zuschauer. „Es war kalt, matschig, die hygienischen Verhältnisse katastrophal“, erzählt Schmidt. Die Stimmung zwischen Euphorie, Aggression und Trauer. Zu viele Menschen auf zu engem Raum.

Der geschichtsträchtige Auftritt von Genscher am 30. September 1989, der den Flüchtlingen vom Balkon herunter die Freiheit versprach – Matthias Schmidt bekam ihn nur am Rande mit. „Wir standen im Innenhof der Botschaft, spürten, dass da gerade etwas Großes passiert. Man konnte nichts hören, nichts verstehen, alle schrien vor Begeisterung“, so der Zeitzeuge. Die Ausreisewilligen wurden in Busse verfrachtet, mit mehr als zwiespältigen Gefühlen. „Wir hatten keine Ahnung, ob man uns wirklich in den Westen bringen würde, schließlich mussten wir DDR-Gebiet passieren.“

Die Flucht als Abenteuer

Die Flucht glückte. Kurz darauf fiel die Mauer. „All die Ängste, Entbehrungen, alles umsonst!, dachte ich mit 17“, sagt Matthias Schmidt. „Heute weiß ich um die Wichtigkeit der Flüchtlinge und den Druck, den sie ausgeübt haben.“ Aber Ostalgie? Nein! „Die Zusammengehörigkeit in der DDR war nicht größer. Die Mangelwirtschaft hat uns zusammengehalten.“ Die Flucht mit 17 sei ein Wendepunkt gewesen, „aber ich war zu jung. Für mich war das damals eher Abenteuer“. Heute ist er zurück, wo er damals herkam – aus der Nähe von Potsdam. 2008 hat Matthias Schmidt als Kellner im borchardt angefangen. Heute ist er Restaurantleiter bei uns. Und angekommen.

Bis die Tage!

Matthias Schmidt

Das Schnitzel aller Schnitzel

Blogmate & the City

 

Die Liebe zum Essen und pulsierenden Metropolen verbindet. Zum Beispiel uns mit Kerry Saretsky, einer New Yorker Food Bloggerin, die sich auf der Durchreise in unser Schnitzel verknallt hat. Das Ergebnis bloggte Kerry jetzt auf ihrem „French Revolution Food“ Blog. Butterschmalz für unsere Ohren: „Als Schnitzelfanatiker kann ich attestieren, dass dieses und das von Figlmüller in Österreich die beiden besten Schnitzel sind, die ich jemals gegessen habe”, hier nachzulesen:

Link: http://www.frenchrevolutionfood.com/2014/09/berlins-borchardt-the-schnitzel-to-end-all-schnitzels/

 

Atemlos durch New York

“Dear Kerry“, hakten wir nach, „wie bloggt es sich denn in NYC und was treibst Du so?”. Die Antwort: Kerry hat Englische Literatur und BWL studiert, im Pariser Restaurant „Le Cordon Bleu“ gearbeit, ist Managerin in einem internationalen Verlagshaus in ihrer Heimatstadt New York, Food- und Lifestyle-Journalistin und Headmistress ihres eigenen Blogs. Atemlos! Chapeau für ihr Interview mit Mireille Guiliano (“Warum französische Frauen nicht dick werden”) über ihr just erschienenes Buch „Meet Paris Oyster: A Love Affair With The Perfect Food“. Was Kerry sich wünscht: ein Interview mit unserm Maître de Cuisine, Philippe Lemoine. Wird erfüllt!

Hier noch Kerry Fotostrecke. Bis die Tage!

 

Berlin

Besuch von einem netten Menschen

Chris de Burgh und Gabo zu Gast im 1.OG

Gabriele Oestreich-Trivellini, besser bekannt als Gabo, eine der besten Fotografinnen Deutschlands, und Chris de Burgh im 1.OG über dem borchardt für die “freundin Donna”. Temperamentsbündel meets Mister Nice. Die Fotos, die Geschichte und Chris de Burghs Einblicke  könnt Ihr in der aktuellen freundin Donna-Ausgabe unter „Ich bin doch kein Weichei, nur weil ich nett bin“ nachlesen. Wie es für uns war? Witzig!

 

Bis die Tage!

Der Alles-Tester

Ein Restaurant muss sich der Kritik stellen, ob es nun will oder nicht. Denn nur eine ernsthafte Auseinandersetzung kann Veränderungen herbeiführen, die nötig sein mögen. Aber wie muss Kritik aussehen, um berechtigt zu sein? Was unterscheidet einen seriösen Restaurantkritiker von einem, der sich nur aufblasen will? Stefan Elfenbein, Politologe, Soziologe, Medienwissenschaftler und einer der renommiertesten Restaurant-Kritiker Deutschlands (u.a. Der Feinschmecker), hat uns Rede und Antwort gestanden.

Herr Dr. Elfenbein, es springen eine Menge schräger Vögel da draußen herum, die sich “Gastro-Kritiker” nennen. Was macht einen seriösen Restaurantkritiker aus?

Ein guter Kritiker muss lieben, was er tut, fair informieren und für seine Leser schreiben. Er darf nicht über sein großes Ego stolpern und sollte die harte Arbeit von Koch und Küche respektieren, auch wenn das Urteil manchmal nicht so gut ausfällt. Sich als Tester von Restaurants bezahlen zu lassen oder Gefälligkeiten zu erwarten ist dagegen unseriös. Schein-Kritiken entlarven sich durch eine überpositive Wortwahl oder ein lobhudeliges Hervorheben von konkurrierenden Restaurants und Orten. Ein No-Go!

Wie objektiv sollte ein Kritiker sein?

Ein Test ist immer nur ein Ausschnitt dessen, was in einem Restaurant während eines Essens passiert – und diese Konzentration auf den Moment war auch eine der Grundregeln bei meiner Ausbildung zum Kritiker. Es geht darum, alle Facetten mit Adler-Augen, Nase, Zunge, Hirn und Herz wahrzunehmen und einzuordnen, so objektiv wie nur möglich. Als Kritiker hat man eine Enzyklopädie an Aromen, Produkten und Gerichten im Kopf; eine Sammlung der Vergleichsmöglichkeiten, die es uns erst erlaubt, seriös zu bewerten.

Was ist mit dem Instrument des Überraschungseffekts? Melden Sie Ihre Besuche zum Restaurant-Test an?

Nein. Nie. Ich will nicht signalisieren, dass ich den roten Teppich ausgerollt bekommen will und vermeiden, dass Produkte oder Gerichte noch schnell frisch gekauft oder für mich kreiert werden. Aber selbst wenn ich erkannt werde, nehme ich das Geschehen an den Nebentischen auf: wie werden dort die Gäste behandelt, wie zufrieden sind sie, wie waren Essen, Ablauf, Service, Weinberatung und die Stimmung dort.

Zahlen Sie Ihre Rechnung selber?

Ich habe das Glück, dass  mich mein journalistischer Auftraggeber  bezahlt. Lasse ich mich doch mal zu Hintergrundgesprächen oder Veranstaltungen von einem Restaurant einladen, schreibe ich nicht darüber.

Fällt es schwer, Bestechungsversuchen zu widerstehen?

Neulich bat man mich um meine Autoschlüssel, um eine Kiste Champagner in den Kofferraum zu stellen. Das hat mich schon schockiert. In dem Moment, wo man sich auf so etwas einlässt, hat man seine Reputation als Restaurant-Kritiker verwirkt.

Welche Verantwortung hat ein Tester?

Je nachdem auf welchem Niveau ein Restaurant angesiedelt ist, kann eine gute oder schlechte Kritik im richtigen Medium in der Jahresbillanz einen Unterschied in bis zu sechsstelliger Euro-Höhe machen. Manchmal läutet es den Bankrott ein. Manchmal sichert es einem neuen, kaum bekannten Ort das Überleben. Mein Job ist es aber für den Leser zu schreiben. Selbst wenn ich einen Koch menschlich und professionel schätze, bin ich doch in erster Linie der Wahrheit des Moments verpflichtet.

Warum wird ein promovierter Politologe und Journalist Restaurant-Kritiker?

Essen ist ein perfektes Mittel, die Welt zu beschreiben. Mein großes Vorbild war  Ruth Reichl, die legendäre Restaurant-Testerin der New York Times und spätere Chefredakteurin des Magazins „Gourmet“. Sie war ebenfalls Dr. der Politologe. Ihre allumfassende, auch politische Sicht aufs Essen hat in der Kritker-Branche tiefen Eindruck hinterlassen.

Was ist Essen für Sie?

Viel mehr, als die Dinge, die auf dem Teller liegen.

Ein Beispiel?

Ich habe meine erste Geschichte für den Feinschmecker unmittelbar nach dem 11. September 2001 in New York recherchiert. Die Zeitung hatte den Mut, auch nach dem Terroranschlag an dem scheinbaren Lifestyle-Stück festzuhalten. Also habe ich eine Stadt beschrieben, in der die Tische in den Restaurants näher aneinander gerückt wurden und das Licht gedimmt worden ist. Man hat  Soulfood serviert, die Mamaküche. Familie, Freunde, Kindheit, Geborgenheit – all das suchte man. Alles Food-Themen, die bis heute aktuell sind. Mit 9/11 hat es begonnen.

Was ist Ihr aktuelles Projekt?

Ich teste gerade 56 Imbissbuden. Heute gab es schon Berlins beste Falafel im wunderbaren “Baharat” und koreanische Mama-Küche im „Ixthys“ – beide in Schöneberg. Darin war so viel Liebe, wie in gut gemachten Gourmetgerichten. Es geht immer um die Liebe zu den Produkten und dem Handwerk dahinter. Ich bin als Kritiker Vermittler, mehr nicht.

Bei aller Objektivität – was verbindet Sie mit dem borchardt?

Im borchardt begann 1996 meine journalistische Laufbahn. Ich hatte bereits ein Angebot für einen Lehrstuhl an der Columbia University in New York, als mir der damalige Chefredakteur der Berliner Zeitung, Michael Maier, die Korrespondenten-Stelle anbot. Ich flog zum Gespräch ins für mich neue Nach-Wende Berlin. Treffpunkt war das borchardt. Es war rappelvoll, bunt, lebendig. Ich habe das Wiener Schnitzel bestellt und beim letzten Happen unterschrieben. Columbia ade! Ich war Journalist. Der Mittag im borchardt hat für mich wirklich alles verändert.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hello again – Tom Hanks in Berlin!

Von Tom Hanks können wir offen gesagt gar nicht genug bekommen. Der Hollywood-Star ohne Starallüren ist ein echter Freund der Stadt. Schon bald steht er wieder in den Babelsberger Filmstudios vor der Kamera für Steven Spielbergs Agententhriller, der zur Zeit des Kalten Krieges in Berlin und Moskau spielt. Drehbuch: die berühmten Coen-Brüder.

Gestern hat BZ-Reporterin Ronja Brier Tom Hanks beim Flanieren am Ku’damm entdeckt, im sympathischen Normalo-Outfit mit Barrett-Mütze auf dem Kopf und Schal, das Café Einstein verlassend. „Ein anderer seiner Lieblingsorte in Berlin ist das Borchardt (Französische Straße)“, schreibt Brier und wünscht sich: „Hoffentlich sieht man den US-Star jetzt wieder öfter hier  – egal ob auf einen Kaffee oder ein Schnitzel…“

Wild von der Müritz köstlich à la Carte

Herbst ist Wildzeit. Bei uns im borchardt kommen Hirsch, Reh und Wildschwein in erstklassiger Qualität von der Müritz. Das hat nichts mit deutscher Jagdromantik zu tun, sondern damit, dass wir an kurze Wege und regionale Spitzenklasse glauben. Unser Hirschrücken-Filet, das neu auf der Karte steht, ist der köstliche Beweis. Es wird scharf angebraten und auf 80 Grad langsam im Ofen gar gezogen, dass der Kern rosa bleibt. Dazu Wurzelgemüse aus Schwarzwurzeln und Pastinaken, Truffes de Chine und Wildjus aus Weißwein, Piment, Wacholderbeeren, Quitten und einem kleinen, feinen Küchengeheimnis.

Fragen an Kellner & Köche

Ein gutes Restaurant lebt von seinen Mitarbeitern. Wer sie sind, was sie denken, wie sie ticken und was sie machen, wenn sie mal nicht im borchardt sind verrät unser Fragebogen „Kellner & Köche“. Viel Spaß beim Blick hinter die Kulissen.

Name: Stipe

Position: Küchenchef

Im borchardt seit: 1998

Vorgeschichte: Gebürtiger Kroate aus Split

Mit wem würdest Du gerne einmal privat essen gehen?

Mit Clint Eastwood. Den habe ich vor Jahren im borchardt kurz zu Gesicht bekommen. Der Mann hat es einfach, egal ob als Schauspieler, Regisseur oder  Gast. Der ist wie er ist – ein richtig geiler Typ.

Wenn Du das borchardt für einen Abend für Dich alleine hättest: was würdest Du machen und wen einladen?

Ich bin bis zur sechsten Klasse in Kroatien zur Schule gegangen, danach in Berlin. Schule war schön, weil ich tolle Klassenkameraden hatte. Wenn ich könnte, würde ich sie alle zusammentrommeln zur großen Wiedersehens-Party.

Welchen Fehler verzeihen Dir Deine Kollegen am ehesten?

Fehler? Welchen Fehler? Naja, manchmal quatsche ich wohl ein bisschen zu viel.

Welche Gäste sind Dir am liebsten?

Die, die einen netten Abend hatten.

Was war Dein spektakulärster borchardt Moment?

Einmal habe ich mich fast selber in Flammen gesetzt, da ging mir die schon Düse. Ein anderes Mal wurde ich ins Restaurant gerufen, weil Weihnachtsmänner eingedrungen waren. Demonstranten, die sich zu den Gästen an die Tische gesetzt und deren Essen vom Teller geklaut haben. Die wollten provozieren, so nach dem Motto: das borchardt ist für alle da! Das wollten wir aber nicht, also musste ich dabei behilflich sein, sie wieder heraus zu komplimentieren.

Macht Trinkgeld glücklich?

Mein Trinkgeld ist das Feedback von zufriedenen Gästen.

Ist es in Deinem Job schwieriger oder einfacher einen Partner zu finden?

Man muss den richtigen Partner treffen, der damit umgehen kann.

Was ist für Dich der perfekte Ausgleich zum Job?

Meine beiden Jungs. Wenn ich mit denen kicke und an der frischen Luft spiele ist alles wunderbar.

Dein ultimatives Lieblingsessen?

Rinderschmorbraten, so wie ihn meine Oma in Kroatien gemacht hat: 24 Stunden in Rotweinessig eingelegt, mit Knoblauch und Speck gespickt, im großen Eisen-Bräter gebraten, dazu selbstgemachte Gnocchi und Kopfsalat mit weißem Balsamico-Dressing.

Deine Club-Tipps?

Nicht vorhanden.

Was verrät am meisten über einen Menschen?

Die Art, wie er mit anderen redet. Jemand, der gleichermaßen nett mit Koch, Kellner oder Staatsmann spricht, zeigt Empathie und Klasse. Das gefällt mir.

Was ist der ultimative Flirt-Spruch?

Hast Du Hunger, Schatz?

Achtung, Paparazzi

Wenn sich der Boulevard langweilt

Wir sind wirklich verwöhnt, was Paparazzi betrifft und wollen hier mal eine Lanze für die Berliner Kollegen brechen. Berlins Promijäger sind taktvoll, wahren eine natürliche Distanz, fallen so gut wie nie unangenehm auf, machen gemeinhin sehr passable Fotos und haben tatsächlich so etwas wie eine Paparazzo-Ehre. Mit ihren US-Kollegen haben sie wenig gemein, die unwürdig auf Bäumen oder in stinkenden Tonnen herumlungern um Menschen abzuschießen, nur damit Hans & Franz sehen kann, dass sie so normale Dinge tun wie unsereins, zum Beispiel essen zu gehen.

Die XY hat was gesehen

Gestern ist es einer Zeitung tatsächlich gelungen, unsere Paparazzo-sichere Firewall zu umgehen und ein schlechtgemachtes Handyfoto von Manuel Neuer herauszuschmuggeln. Es ist weder eins dieser Fotos, das in 20 Jahren in einer sehr abgefahrenen, großartigen Galerie hängen wird wie der CO Gallery oder der Modern Tate in London, noch ist es eins, dass unsern Keeper Nr.1 in entlarvender Pose zeigt. Manuel Neuer (erkennbar) sitzt am Tisch (erkennbar) und unterhält sich mit Menschen! Bravo Jungs, das muss die Auflage in die Höhe katapultiert haben.

Nacktscanner gegen ‘Fremdies’?

Wir hoffen, dass es Manuel N. gelassen sieht und zitieren hier mal flott unsern Boss: “Eigentlich weiß jeder, dass im Borchardt nicht fotografiert werden soll und zu 99 Prozent halten sich alle dran. Dass wir Prominente im Restaurant haben kann man schließlich auch erkennen, wenn man sie rein- und rausgehen sieht”, so Roland Mary. Was aber künftig tun gegen unbebetene Fremdies (im Gegensatz zu Selfies)? Leibesvisitation? Nacktscanner? Oder eine spezielle Handy-Garderobe? Nichts davon, außer vielleicht demnächst einem kleinen Spruch in unserer Speisekarte, auf das Fotografieren von anderen Gästen doch bitte zu verzichten.

Bis die Tage!

Fashion & Fußball? Eine Welt!

Hop oder top?

In den letzten Tagen standen wir vor einem ernsthaften Gewissenskonflikt. Einerseits startete am Dienstag die Fashion Week – neben der Berlinale für uns das Top-Ereignis des Jahres mit der Crème de la Crème der deutschen Modeschaffenden. Andererseits stand am selben Tag Fußball an. Nicht irgendein Spiel, sondern WIR im Halbfinale gegen Brasilien! Die Frage kam auf, ob wir die heiligen Hallen des borchardt entweihen und über den Mosaikfresken hinter der Bar eine Leinwand entrollen sollten oder, ob wir den ortsansässigen Technikmarkt mit dem Ankauf eines halben Dutzend XXL-Fernseher beglücken sollten, zur Bestückung unserer neuen Eventetage, intern 1.og genannt.

 … oben oder unter oder was?

Variante zwei wurde beschlossen. Bitte?! Eventetage im borchardt? Nie davon gehört? Kein Wunder, wir haben ja auch nie darüber gesprochen, außer mal so zwischen Nachtisch und Zigarette. Also: unsere kuschelige Altstock-Wohnung in all ihrer bezaubernden, salonhaften ‘Omi meets Gentleman Club’-Haftigkeit im 1. og über dem borchardt sollte eigentlich im September feierlich eingeweiht werden. Aus akutem Anlass wurde sie aber fussballfein gemacht, aufgeräumt und aufgerüscht. Raus mit den ollen Ordnern und Dekorations-Katalogen, rein mit den Megaglotzen. Jede Extra-Stuhl, den wir im Haus dingfest machen konnten, wurde hoch geschleppt, ebenso Getränke und Eiskübel, das Personal und Küche seelisch eingetunt und ab ging’s.

 Gänsehautentzündung im 1.og

Die Stimmung braucht man nach so einem ‘Wahnsinnsspiel aller Zeiten’ wohl nicht beschreiben, die kollektive Gänsehaut-Entzündung (frei nach Mehmet Scholl), die Jubelsalven bei diesem historischen Torgewitter, dem wir alle live beiwohnen konnten, die Freudentränen bei dem Bewusstsein, zwar nicht in Brasilien zu sein, aber doch irgendwie im Auge des Taifuns – und all das in einer pickepacke mit Stammgästen vollgestopften Lounge, während unten der normale borchardt-Wahnsinn weiterging. Unvergesslich, darauf einen Ruinart!

 So much en vogue & Regengüsse vom Himmel

Dem Dienstagabend (der faktisch ein früher Mittwochmorgen geworden ist) folgte logischerweise der Mittwochabend und mit ihm das tradionelle Highlight der Fashion Week: die „Vogue Fashion Night Out“ von Mercedes Benz und der deutschen Vogue. So much Glam in unserm Haus! Der Haider war da, die Tutia und die Johanna, der Dawid, die Malaika, der Alexander und die Isabell, die Dorothee und die Johanna, die Lena, der Michael, die Odély mit der Anneli, der Tim und auch der Hien. Mit andern Worten: großes Kino! Das große weiße Zelt, das in weiser Wetter-Voraussicht am Nachmittag im Innenhof errichtet worden ist, ausgeschlagen mit Wänden aus echtem Grass, war auch der Volltreffer. Alles Details und all die beautiful People findet Ihr über diesen Link: http://www.vogue.de/people-kultur/people-news/event-mercedes-benz-und-vogue-fashion-night-juli-2014#galerie/74

Bis die Tage!

 

 

Fa Fa Fashion Week in Berlin

Wir sind alle chic, oder nicht?

Einer unserer Stammgäste hat es einmal so formuliert: „Berlin ist nicht elegant. Gebt Euch nicht zu viel Mühe, Ladys!“. Stammgäste widersprechen wir nur ungern, aber in dem Punkt irrt der Mann. Berlin ist chic. Wir haben die David Bowie Ausstellung (extrem sehenswert!), die Supermodels in der CWC Gallery und die Mercedes Benz Fashion Week, die an diesem Dienstag startet und zweimal im Jahr dazu führt, dass die ganze Stadt Mode atmet . Dann ist Berlin noch sexier, als es so schon ist, reich (an Ideen und Inspirationen) und elegant.  In Mitte vernehmen wir diesen Pulsschlag besonders deutlich, wenn die Limousinen vor unserer roten Markise halten und die kreative Crowd absetzt. Was für ein toller Anblick, jedes Mal aufs Neue! Das Auge isst bei uns ja schließlich auch mit.

Was zwischen die Zähne und was auf die Rippen

Apropos Essen: Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Modeszene nicht isst. Alles Hungerhaken, die an Salatblättern nagen. Was für ein Blödsinn! Wir können bestätigen, dass auch in diesen Kreisen gegessen wird und manches Model über einen solch gesegneten Appetit verfügt wie über ein gesegnetes Aussehen und einen fabelhaften Stoffwechsel noch obendrauf.

Hilfe, was ziehen wir an?

Zur Fashion Week kommt jeder, schaut jeder. Wenn Vogue, Elle, Harpers Bazzar, Cosmo, Grazia, Bunte, Gala, Instyle & Co am Nebentisch sitzen, wollen alle eine gute Figur machen. Schwarz geht immer. Unser Glück, denn Schwarz/Weiß ist unser Arbeitsoutfit. Andere Vorbereitungen zur Fahsion Week sind aufwändiger. Es beginnt, wenn die jeweils letzte MBFW vorbei ist und die neuen Reservierungen eintreffen. Fünf Wochen vorher fragen wir uns: Wer soll wo sitzen? Wer soll neben wem sitzen. Und am Wichtigsten: Wen setzen wir lieber nicht neben einander? Und: Haben wir genug Personal, ausreichend Champagner, Austern? Beim Personal wird aufgestockt, was Beine hat und qualifiziert ist. Weinkeller und Kühlkammern sind gefüllt, als würde es kein Morgen geben. Also vamos lá, auf geht’s, wie beim Fußball (den wir übrigens auch übertragen, im 1.OG).

Come on let’s VOGUE oder alle guten Dinge sind 11

Unser absolutes Highligh seit inzwischen zehn Fashion Weeks ist die Fashion Night von Mercedes Benz und VOGUE. Diese Night to Remember findet traditionell mittwochs bei uns statt, mit VOGUE-Chefredakteurin Christiane Arp als Gastgeberin. Zum elften Mal treffen sich in dieser Woche Medien- und Modemacher, Models, Messerbesucher und Berlins Schauspielelite. „Das Tolle während der Fashion Week ist die Mischung der Leute“, berichten unsere Restaurantleiter, die ihre Mannschaften „regelrecht fliegen sehen“. Es ist wahnsinnig viel zu tun, es gibt wahnsinnig viel zu lachen. Closed Shop? Nein, jeder ist herzlich willkommen. Die Küche arbeitet mit Doppelschichten von mittags um 12 bis nachts um zwei Uhr. Und wer um drei Uhr kommt? „Der wird auch nicht hungrig nach Hause geschickt“, sagt unser Team.

Wir wünschen allen eine Fa Fa Fun auf der Fashion Week!

Fotocredit: Markus Nass für VOGUE/ Merces Benz Vogue Fashion Night 2014

 

 

Romeos Reaktion oder Famous for more than 15 Minutes

Wellenreiten auf der Sympathie-Woge

Wenn jemand eine Lebensentscheidung trifft, so wie Romeo Vaubourg – unser Restaurantleiter und altgedienter Top-Kellner, der nach 18 Jahren in diesem Sommer das borchardt verlässt, um auf Weltreise zu gehen – weiß man nie, wie das Umfeld reagiert. Gelangweilt, zur Kenntnis nehmend oder mit echtem Interesse. In Romeos Fall ist ihm eine derartige Woge an Sympathie-Bekundungen zugeschwappt, die uns und vor allem ihn selber umgehauen hat.

Jeder wollte die Geschichte hören von dem Jungen, der in Strassburg zur Welt kam, auf einem Bauernhof in der Ardèche aufwuchs, in Nizza eine Ausbildung zum Hotelfachmann machte und nur deshalb in Deutschland strandete, weil so viele deutschsprachige Touristen an der Côte d’Azur waren. „Die Leute haben mich in der letzte Woche im Restaurant angesprochen“, erzählt Romeo, „auf der Straße, beim Einkaufen im Supermarkt. Überall!“ Der Tenor ging von „Ui, wie schade“, über „Viel Glück!“, bis „Erzähl, was ist wirklich passiert?!“. Um das hier noch mal klarzustellen: im Bauch eines Restaurants mag’s manchmal rauer zugehen, aber wir haben ihm nie ein Härchen gekrümmt. (Tse, wäre ja wohl noch schöner!).

Merci, Chéris

Und was sagt der Mann der Stunde dazu, überwältigt ebenfalls von den rührenden Danksagungen und guten Wünschen von unserer Facebook-Community? „Isch bin gar nischt auf Fääässbuk!“. Mais non?! Also liebe Facebook-Freunde unseres Hauptstadt-Restaurants, hier ist Romeos Message an Euch: „Vielen Dank, dass Ihr alle so lieb an mich gedacht habt. Ich bin unheimlich gerührt darüber. Für mich war das borchardt immer wie eine zweite Heimat und wird es auch bleiben. Das hat nicht nur mit den netten Kollegen zu tun, sondern mit den tollen Gästen und der Atmosphäre. Man liebt ja seinen Beruf. Merci!“

Apropos Gäste: in 18 Jahren hat Romeo sie alle gehabt, an seinen Tischen: die Schönen und die Reichen, die Aufstrebenden und die Einflussreichen, die Wichtigen und die Berühmten, die Kreativen und die ganz Privaten. Was er selten hatte, waren die Nörgler. Selbst nicht, als er mal beladen mit vollen Tellern vor seinen Gästen zu jäh abbremste und alle Steaks auf dem Boden landeten, statt auf dem Tisch. „Aah, das kann passieren“, sagt Romeo, und auf seine unwiderstehliche, französische Art: „Shit happens, das weiß man doch!“. Oh Romeo, Du wirst uns fehlen!

Sag zum Abschied leise Adieu

Scheiden tut weh oder Romeo is leaving

Wer zu Abi- oder Studizeiten selber mal gekellnert hat, weiß, dass der Job Spaß macht, aber verdammt tough sein kann. Das kriegt der eine mit der nötigen Professionalität und der richtigen Einstellung gut hin – und der andere nicht. Romeo Vaubourg, seit 18 Jahren einer der verdientesten Kellner im borchardt und längst aufgestiegen zum Restaurantleiter, passt zweifelsohne in die erste Kategorie. Als Kellner im Herzen gehört der Mann ohnehin einer besonderen Gattung Mensch an, denn Kellner tragen ihre Persönlichkeit vor sich her wie ein volles Tablett mit Gläsern. What you see is what you get! In Romeos Fall ist das nicht der krawallige „Don’t mess with me!“-Typ. Seine Waffe ist sein französischer Charme, den wir vermissen werden, denn Romeo verlässt uns.


Ne me quitte pas… oder doch?!

Was war passiert? Sagen wir es so: nach 18 Jahren ist ein Mensch erwachsen und jedwede Beziehung ebenso! Wer sich mag, muss Freiräume gewähren und loslassen können. Romeo ist nicht etwa durchgebrannt zu einem anderen Restaurant (bis Mitte August bleibt er uns auch noch erhalten), sondern ist nach der physischen Plackerei, die sein Job mit sich gebracht hat, neugierig, andere Pfade zu erkunden und mehr noch, die ganze Welt. Sein Plan ist es, zwölf Monate abzutauchen – und das ist nicht nur sprichwörtlich gemeint. Romeo interessieren die Tauchreviere vor den Küsten Thailands, Malaysias, Kambodscha, Laos’ (please say hello to Mekong River!), Bangladesh, Indonesien und den Philippinen. Und weil das alles noch nicht weit genug weg ist, will er auch noch die französischen Kolonien, den Jemen, Jordanien und Israel dranhängen. Nicht tauchend, natürlich.

borchardt als Fluch oder Segen – haben wir was falsch gemacht?

Berlin sollte eigentlich nur ein Sprachstopp werden – wegen der vielen deutschen Gäste an der Côte d’Azur, wo der junge Romeo, der auf einem Bauernhof in der Ardèche aufwuchs, seine Ausbildung machte. Von Nizza führte der Weg über Hamburg nach Berlin, mit einem kurzen Gastspiel im Café Einstein geradewegs ins borchardt. „Früher war Berlin ein Rausch, ein Leben zwischen Ost und West. Jeder Tag war anders“, sagt Romeo. „Das borchardt war für mich wie eine große Familie“. Man schlug und küsste sich. Seine Lieblings-Schicht? „Die Wochenenden, da kommen die Gäste privat zu uns mit ihren Kindern.“ Romeo mag die Eltern und die Kinder. Beides hat er selber nicht. Was er macht, wenn er wieder auftaucht? „Meditieren, in ein Kloster gehen und zu mir kommen“. Den Job, sagt er, kriegt er erst mal nicht aus dem Kopf. „Das wird Wochen dauern oder Monate“. Und wenn die Sehnsucht brennt? „Dann komme ich zurück nach Berlin“, sagt Romeo. Sein Plätzchen im Restaurant halten wir ihm warm.

Versprochen!

Romeo Vaubourg

Blog and the City oder ein Schnitzel für New York

Was ist der schönste Dank für einen Gastronom und sein Team? Für uns sind das leergegessene Teller, die uns signalisieren, dass sich unsere Mühe gelohnt hat, und Gäste, die wiederkommen. So einfach. Großes Lob brauchen wir nicht. Die Geste ist solider. Das zweitschönste Feedback, die Kirsche auf der Sahne, sind Kritiken wie die von Cindy Adams, der Queen of Gossip bei der ‚New York Post’ – eine der ältesten und auflagenstärksten Tageszeitungen der USA. Der Hintergrund ist, dass Miss Adams unlängst gemeinsam mit der Grande Dame des amerikanischen Journalismus, Barbara Walters, in Berlin zu Besuch war und das borchardt als „Best Restaurant In Town“ betitelt hat – nachzulesen in „Berlin: Historic city, modern feel“:

New York Post

Dass wir und unser fleischgewordenes Aushängeschild Erwähnung in Miss Adams Text finden („Order Wiener Schnitzel at borchardt“), hat uns mächtig geschmeichelt. Schließlich gibt es ja nicht jeden Tag den Kopf getätschelt. Noch besser fanden wir allerdings, dass diese Top-Bewertung auf Ron Lauder zurückgeht, den Präsidenten des weltberühmten Museum of Modern Art in New York und Sproß des Estée Lauder-Kosmetik-Imperiums. Eine kleine Inhouse-Recherche ergab, dass Lauder vor nicht all zu langer Zeit bei uns zu Gast gewesen und sein Urteil demnach frisch ist. Mehrere unser Kellner schwören nun, dass ihr fabelhafter Service Lauders Urteil beflügelt haben muss, denn: „Er saß an meinem Tisch!“.

Proud Mary

Tisch hin oder her, unseren Chef, Roland Mary, haben wir selten (wenn auch nur sehr kurz) sprachlos erlebt. Der Songtitel ‚Proud Mary’ hat seitdem eine andere Bedeutung für uns. Wir fühlen uns restaurantkritisch ein bisschen wie mit Eichenlaub behängt. Und nun? Wollen wir es jetzt der BILD Zeitung gleich tun und eine Filliale in Übersee errichten? Oder expandieren wir vorerst nicht in den Big Apple und bleiben ‘nur’ in Berlin? Um noch einmal unseren Boss zu zitieren, der uns schnell auf den Boden zurückholte und stets sein härtester, eigener Kritiker ist: „Das ist eine sensationelle Bestätigung, andererseits aber auch Ansporn, es in Zukunft mindestens genau so gut zu machen, wenn nicht noch besser“. Vor dem Essen ist eben nach dem Essen. Und weiter geht’s!

Bis die Tage!

Gut Blog will gut Weil haben

Blog! Blog! Jemand zuhause?!

Zugegeben, wir waren eine zeitlang weg vom virtuellen Fenster. Um die Wahrheit zu sagen haben wir uns seit dem „Making of the Schnitzel“-Film ein wenig debloggiert und uns ausschließlich dem gewidmet, was wir noch besser können: Leben in die Bude bringen, köstliches Essen auf den Tisch und den Laden am Laufen halten.

Wie ein Schiff auf großer Fahrt haben wir weder angelegt, noch Anker geworfen, sondern sind auf Kurs weitergesegelt. Immer schön im Gespräch mit Crew und Besatzung, aber ohne virtuelle Flaschenpost. Damit soll jetzt Schluss sein, Blog sei Dank! Ab sofort wollen wir wieder Einblicke hinter die Kulissen gewähren und von dem berichten, was sich im borchardt Neues tut.

Schlaflose Nächte – borchardt goes TV

Vor ein paar Monaten hat es an einem unserer Tische einen kreativen Knall gegeben und die Idee zum neuen Opel-Spot war geboren – mit Scholz & Friends als geistigem Vater und uns als dem Part der unbefleckten Empfängnis, bzw. Kulisse für das Experiment „Umparken im Kopf“. Die Message: Früher fuhr nur ein einziger Promi Opel, heute ist Opel gesellschaftsfähig, weil sich alle Promis zu der Marke bekennen.
Opel und borchardt in einem Spot. Passt das überhaupt? Opel, als Inkarnation der Bürgerlichkeit, borchardt, als Inbegriff der gelebten Hauptstadt-Dekadenz?! Zwei Antipode, keine Zweifel.

Um den Dreh durchzuziehen, mutierte das borchardt über drei Tage zum 24h/7day-Business. Sobald der letzte Gast das Restaurant verlassen hatte gingen die Dreharbeiten los; nachts ab 2 Uhr, nachts um 3 Uhr und einmal sogar erst um 4 Uhr. Drehende war morgens um 9 Uhr – eine Stunde bevor die Frühschicht anfing mit den Vorbereitungen für den neuen Tag. Für unsere stehfähigen, partyerprobten Restaurantleiter eine echte Herausforderung.

We love Stammgäste

Was uns die Zusammenarbeit mit Regisseur Sebastian Schipper einfach machte, war der Fakt, dass unsere Film-Promis ihre Cameo-Auftritte weder proben, noch faken mussten. Von Joachim Krol, über Ken Duken, Bettina Zimmermann, Caroline Herfurth, Fahri Yardim, Nadja Uhl bis hin zu Groß-Opel-Master Jürgen Klopp gehören alle zu den liebgewonnenen borchardt-Regulars.

Apropos Klopp. In der letzten Szene fährt er über die regennasse Straße vom borchardt in die Nacht. Pech mit dem Wetter, möchte man meinen. Aber nein, Absicht der Macher, die einen authentischen, urbanen Look wollten, und dafür extra die Regenmaschine heranschafften. Unser Fazit: Geschirr ging zu Bruch, es wurde viel gegackert und gelacht und einmal standen versehentlich Pappteller aus der Film-Requisite vor den Gästen, was nicht gerade typisch für uns ist, aber witzig.

Der Clip polarisiert bis heute. Wir werden täglich darauf angesprochen. Die Kommentare von: „Das passt null zum borchardt“ bis „Bravo, sehr gut gemacht, das Ding, guter Plott!“. Was wir davon halten? Letzteres!

Bis die Tage!

Désirée Nosbusch und Dieter Zetsche durchs Fenster gefilmt

RTL Exclusiv berichtete

Damit sich unsere Gäste – ob nun prominent oder nicht – bei uns wie zu Hause fühlen, legt das Borchardt seit jeher allergrößten Wert auf Diskretion und Privatsphäre.

Das Borchardt als foto- und filmfreie Zone

Gerade jetzt, da die Berlinale in vollem Gange ist, schreiben wir uns auf die Fahne unseren Gästen einen perfekten Abend in privater Atmosphäre zu bieten. Aus diesem Grund wurden, zusätzlich zum bereits vorhandenen Sichtschutz in Richtung Französische Straße, die Fenster mit einer speziellen Folie abgeklebt. Dadurch bieten wir beste Voraussetzungen damit nicht wieder durchs Fenster gefilmt wird.

„Der Geschmacksverstärker“ – die Genusskolumne von Bernhard Moser

Wir baden in Wasser, wir spülen uns den Mund damit, wir trinken es. Keinem Menschen muss man ernsthaft die Bedeutung des Wassers erklären, schließlich bestehen wir zu 80% selbst daraus.

Gastronomisch entwickelt sich das Thema Mineralwasser immer weiter. Waren Gäste vor wenigen Jahren noch damit zufrieden, wenn sie ein prickelndes Wasser auch dem Druckcontainer bekamen, wenn sie ein Wasser bestellten, so gibt es heute Restaurants, die ganze Wasserkarten im Angebot haben. Mittlerweile gibt es sogar Luxuswasser wie das mit Swarovski-Steinen besetzte „Bling“, das für satte 60,00 EUR für 0,75 l zu haben ist. Weiterlesen

Prost Fastenzeit: Wenn das Bier zur Hauptmahlzeit wird

Zwischen Aschermittwoch und Ostern liegt die Fastenzeit und damit viele enthaltsame, karge, hungrige Tage. Denkste! Denn wer jetzt übermäßiges Mitleid mit der fastenden Bevölkerung entwickelt, sollte sich beim nächsten Brauhausbesuch ein zünftiges Fastenbier zapfen lassen.

Die sogenannten Fastenstarkbiere beinhalten mindesten 18 Prozent Stammwürze, über 7 Prozent Alkohol und gehören zu den Doppelbockbieren. Der vollmundige, schwere Geschmack macht das Fastenbier zu einem perfekten Sattmacher. Weiterlesen

La vie d’une crème brûlée au borchardt!

In Frankreich ist die Crème brûlée der Standardnachtisch in Dorfgaststätten und Sterne-Restaurants. Auch bei uns wird die Crème brûlée sehr gerne gegessen. Ehrgeizige Kandidaten versuchen sich immer wieder an der Zubereitung des feinen Nachtischs und nicht wenigen misslingt es, weil sie dabei zu hecktisch sind. Für das Dessert sollte man ausreichend Geduld und Vorbereitungszeit einplanen. Weiterlesen